Kurz nach der Wende begab es sich, daß viele Dinge ins neue Land
geschafft werden mußten. Das Geld aus dem Westen begann zu fließen
und somit setzte ein unvorstellbarer Warenstrom in Richtung Osten ein.
Mich hatte mein Disponent diesmal auserwählt, eine Späneheizanlage
nach Scheibenberg (bei Annaberg-Buchholz) zu transportieren. Ein 14 Tonnen
schwerer Heizkessel nebst 6 Tonnen Zubehör wurde also irgendwie auf
meinen Lastzug gefummelt (...unsere LKW`s sind irgendwie grundsätzlich
zu klein...) und Erdbebensicher befestigt. Wer die Straßenverhältnisse
zu dieser Zeit kennt, weiß ja um die Probleme auf den "Straßen"
dort! Mit den Worten "fahr mal lieber etwas früher los" entließ
er mich vormittags um 11 Uhr zunächst nach Hause (Pause muß
sein...).
Abends um 10 Uhr brummte ich also in dem Bewußtsein los, daß
der kommende Tag wie bei allen Fahrten in Richtung Osten auch dieses mal
manche Überraschung bringen würde. Touren dieser Art und in diese
Richtung schieben wir Fahrer bis zum heutigen Tage gerne von einem zum
anderen. Über den Harz nach Nordhausen, dann Richtung Erfurt auf die
B4, alles lief überraschend gut. Die erste Umleitung im Schrittempo
nahm ich gelassen hin, denn 30 Minuten Zeitverlust waren nichts besonderes.
Bei Erfurt ging es dann nach 45 Minuten Pause weiter Richtung Zwickau.
Auch hier lief es überraschend gut, so daß mein Zeitplan ganz
gut aussah.
Irgendwann morgens erreichte ich dann Zwickau und verließ die
Autobahn. Nun kam`s aber auch gleich knüppeldick! Um überhaupt
erst mal in die Richtung meines Zieles zu gelangen, durfte ich schon mal
insgesamt 35(!) Kilometer Umleitungen fahren. Bei der Ausschilderung der
Umleitungen hatte sich wohl jemand sehr viel Mühe gegeben, um alle
nützlichen Spuren zu verwischen. Ich mutmaßte, daß man
wohl doch noch mit einer Invasion von irgendwem rechnete und so einen unerwünschten
Eindringling in die Irre leiten wollte. Meine Straßenkarten waren
dabei vollkommen nutzlos, denn der Weg führte über Feldwege,
Hinterhöfe und ähnliches. Eine Orientierung anhand von Karten
war somit unmöglich und die Beschilderung kaum zu gebrauchen. Mit
den Jahren bekommt man aber so eine Art siebten Sinn, und in Verbindung
mit laufenden Rückfragen bei den Einheimischen erreichte ich nach
nur 3 Stunden(!) Zwickau. Ein Engländer den ich unterwegs traf war
festen Willens, seinen Lastzug aufzugeben, zu kündigen und dann mit
der Bahn nach Hause zu fahren; er fand aber leider keinen Weg zu einem
Bahnhof...!
Jetzt mußte Zwickau durchquert werden, da gab es leider keine
Alternativen. Bereits nach weiteren 1 1/2 Stunden hatte ich auch dieses Labyrinth
von Umleitungen und Baustellen hinter mir, dafür aber ein
paar Nerven weniger. Für die Beschilderungen hätte ich an diesem
Morgen jeden Verantwortlichen kommentarlos verprügelt, aber man bekommt
ja niemanden zwischen die Finger. Diese Chaotik in Verbindung mit den wirklich
üblen Straßenverhältnissen laugen einen unheimlich aus,
und ich war noch lange nicht am Ziel, denn hinter Zwickau ging`s erst richtig
los. Eine dieser irrsinnigen Umleitungen endete dann nach einer weiteren
Stunde zwischen einigen Schrebergärten. Ein Holländer hatte sich
mit seinem Sattelzug beim Abbiegen derart zwischen Bäumen und einer
Mauer verhakt, daß gar nichts mehr ging. Inzwischen schlug irgendwo
eine Turmuhr. Schon 9 Uhr und noch kein Land in Sicht...! Mein Termin war
jetzt genau so verraucht wie die Kupplung des Holländer, der mit Gewalt
versucht hatte die Fahrbahn auf seine Bedürfnisse "abzustimmen". Der Kirschbaum
auf der einen Seite und die Mauer auf der anderen hatten eine
erstaunliche Schräglage erreicht. "Das war`s also erst mal" dachte
ich mir und stieg aus um an der allgemeinen Zurschaustellung dummer Gesichter
teilzunehmen. Der arme Holländer war dunkelrot vor Wut; konnte ich
ihm nicht verdenken, war doch an eine Weiterfahrt für ihn erst mal
nicht mehr zu denken. Beim allgemeinen lamentieren machte mir einer der
Eingeborenen den Vorschlag, geradeaus und dann um den Kirchplatz zu fahren.
Interessiert ging ich mit dem Rentner die Straße hinunter, um die
besagte Ecke auf ihre Befahrbarkeit hin zu überprüfen. "Das ganze
könnte klappen wenn ich ein wenig trickse" sagte ich dem guten Mann.
Er war auch bereit mich so gut es ging einzuweisen. Es stellte sich heraus,
daß er früher Schwertransporte gefahren hatte und über
ein wirklich gutes Augenmaß verfügte. Wer nicht wagt, der nicht
gewinnt; also versuchte ich es einfach mal - und siehe da, nach einigem
hin- und herrangieren kam ich tatsächlich um die Ecke herum. Der ehemalige
Fahrer war ein hervorragender Einweiser mit sicherlich sehr viel Erfahrung!
Es ist nämlich sehr schwer einzuschätzen, ob man in solchen "Löchern"
mit einem über 18 Meter langen Fahrzeug klar kommt oder nicht. Er
lotste mich dann sogar noch durch ein Waldstück bis zur 4 km entfernten
Hauptstraße. "Hab`ich wenigstens meinen Spaziergang heute" grinste
er beim Abschied und machte sich auf den Heimweg; ein wirklich netter Kerl
war das!
Durch die Nutzung des Waldweges hatte ich mindestens 10 km Umleitung
eingespart und konnte nun endlich wieder auf mein Ziel zuhalten. Irgendwann
hatte ich dann Scheibenberg vor den Scheinwerfern. Der erste beste Mensch
den ich sah wurde von mir nach meiner Zieladresse gefragt. Mein "Opfer"
zeigte kommentarlos nach rechts und meinte dann trocken, daß ich
noch `ne gute Stunde dahin unterwegs wäre...!?? "Wieso eine Stunde,
das sind doch höchstens 500 Meter...?" Ich verstand überhaupt
nichts mehr. "Die ham` die Straße weggebaggert und nun kannst du
nur um den Berg herum von hinten an das Gelände ranfahren; und um
da hinzukommen mußt du `ne Umleitung fahren, tja, und die ist Sch****!"
Ich sah ihn fassungslos an. "Das ist nich` ihr Ernst" murmelte ich mehr
zu mir selber. "Doch doch, da mußt du durch Junge". Er zuckte
mit den Schultern und schritt von dannen.
Aus der geschätzten Stunde wurden 1 1/2! Meine Motivation pendelte
sich etwa bei Null ein während ich endlich auf das Betriebsgelände
einbog. 14 Uhr durch und noch kein Gramm abgeladen! Mein blonder Führer
würde begeistert sein; wenn ich jetzt bloß irgendwo telefonieren
könnte um ihn vorzuwarnen. (D-Netz gab`s da noch nicht.) Das Gelände
hier machte mir auch nicht gerade mehr Mut, alles sah ziemlich verhauen
aus. Ich bemerkte einen offenbar mit einem Menschen gefüllten Parka,
der auf einer großen Kiste saß. Ich fragte den Parka, ob er
was über eine Heizung wüßte, die hier angeliefert werden
sollte. "Ja klar, Mensch is`ja super, ich dachte, ich wär hier heut`
alleine". Aus der Kapuze schnellte ein Kopf hervor und besah mich neugierig.
Es stellte sich heraus, daß er von der Firma war die den Kessel gebaut
hat. Er sollte die Anlage dann montieren und betriebsbereit machen. "Wie
hast Du denn hergefunden?" fragte er. Ich wollte über die näheren
Umstände nicht weiter reden; zu sehr war ich noch von den Problemen
heute morgen geladen um einen vernünftigen Bericht abgeben zu können.
Nun kam aber erst mal sein Bericht, und der war auch nicht von schlechten
Eltern! Um 9 Uhr sei also schon ein Kran da gewesen. "Mit dem hätte
man nicht mal das Zubehör in den Heizungsraum setzen können"
meinte er. "Vielleicht hätte die Krücke sogar 4 -5 Tonnen angehoben,
aber niemals so hoch und so weit raus wie nötig. Den Kessel hätte
der jedenfalls nie gepackt, deshalb hab` ich ihn weggeschickt und vom Betriebsleiter
hier einen Großen angefordert. Der soll heut` Nachmittag von Zwickau
kommen; müßte eigentlich auch bald da sein" schloß er
seinen seinen Bericht. Ich sah ihn mit großen Augen an und murmelte
"oh, oh". "Wie oh, oh, was soll das heißen?" Ich berichtete nun doch
von der Umleitung hinter Zwickau. "Hab` ich auch langgemusst" meinte
er. "Ist für ein langes Auto zwar eng an der einen Stelle zwischen
den Gärten, aber da sollte der wohl durchpassen." Ich sagte nichts
von dem Holländer und seiner Kupplung, denn der würde da sicher
noch einige Zeit stehen. Vielleicht kann der Kran den Sattelzug ja in einen
Vorgarten heben; diese Vorstellung amüsierte mich irgendwie,
aber ich sagte nichts weiter. "Kann man hier irgendwo Telefonieren?"
Er winkte mich hinter sich her und wir latschten über das riesige
Gelände. Ein klappriger Bretterverschlag stellte wohl bis auf weiteres
den hiesigen "Bürokomplex" dar. Der Betriebsleiter begrüßte
mich und den Monteur wie alte Freunde. Wir bekamen frischen starken Kaffee,
während die Bürofee versuchte, die von mir angegebene Nummer
anzuwählen. Beim zweiten Pott Kaffee kam tatsächlich so etwas
wie eine Verbindung zustande und ich konnte meinem naturblonden Vordenker
teils schreiend die momentane Lage schildern. Der seufzte nur gottergeben.
Ich solle morgen Vormittag in Schönheide laden, mich aber morgens
noch mal melden. Er hörte sich recht traurig an, was ich gut nachvollziehen
konnte. Ich wußte nämlich, daß er heute noch 5 Lastzüge
im Osten hatte, und bei denen lief es sicherlich auch nicht besonders!
Als ich auflegte klingelte es sofort. Die Fee (...ein wirklich hübsches
Mädel...) wechselte einige Worte um gleich nach ihrem Chef zu rufen.
Der grunzte nur "ach,...nee,...ach du liebe Zeit,...herrje,...wann,...oh,
oh,...na ja, bis dann" und legte wieder auf. "Der Kran steckt in einer
Umleitung fest, weil da wohl ein holländischer Sattelzug..."; ich
mußte mich ziemlich zusammenreißen um jetzt nicht noch loszulachen.
Es war ja unvermeidlich und mußte so kommen. Eine andere Umleitung
wäre ohnehin nicht befahrbar und diese jetzt sicher hoffnungslos verstopft.
Mein Weg über den Kirchplatz war ja nur eine risikoreiche Ausnahme
und nicht unbedingt zur Nachahmung zu empfehlen.
Der Parka meinte, er müsse sich noch ein Zimmer besorgen. So 2
-3 Tage würde er schon noch brauchen bis alles fertig sei. Der Betriebsführer
griff erneut zum Telefon. "Soll`s was besonderes sein?" fragte er den Parka.
Der Kopf schob sich wieder aus der Kapuze. "Schlafen und Frühstück"
grinste er. Ruckzuck war alles organisiert. "Und sie?" wurde ich gefragt.
"Ich hab` mein Bett dabei, warum?" "Tja, heut` werden wir wohl nicht mehr
viel schaffen, wenn`s erst dunkel ist" meinte er in seinem unnachahmlichen
Dialekt. Das befürchtete ich allerdings auch, äußerte mich
aber nicht weiter dazu. Was soll`s, ich konnte es ja doch nicht ändern.
Und Schönheide war auch nicht weit von hier. Wenn ich also erst morgen
leer würde, konnte ich dann wenigstens noch laden. Wenn ich gewußt
hätte was noch kommt, ich glaube ich wäre weggelaufen...!
Lange Rede und kurzer Sinn, heute kam kein Kran mehr. Ich teilte diese
freudige Kunde gegen 16 Uhr behutsam dem blonden Führer zuhause mit.
"War mir schon klar" fauchte er, "da klappt ja nie was. Gib mir morgens
`ne Übersicht!" Klick - und weg war er. Später hörte ich,
daß von 6 Autos im Osten 4 nicht leerwurden. Deshalb hatte der arme
Kerl natürlich eine Bombenlaune. Die Kunden schert`s nicht, warum
die Autos nicht kommen können.
So ging dieser Tag ohne weitere Arbeit zu Ende.
Abends trabte ich dann die 500 Meter zunächst zur Hauptstraße,
dann noch einmal um`s Eck und fand mich in der Kneipe mit Pension ein,
die der Parka bewohnte. (Mit dem Auto hätte ich dafür wieder
1 1/2 Stunden gebraucht!) Wir hockten uns zusammen, und nahmen etwas zu
uns. Die Stimmung in der vergilbten Spelunke war beachtlich! Man schien
hier gerne einen zu heben, denn die weggespülten Biermengen hätten
einen Wirt bei uns zu Hause neidisch werden lassen. Schon nach kurzer Zeit
benahm sich einer der Einheimischen doch recht auffällig. Beflügelt
durch den hastigen Genuß von etwa 15 Gläsern Bier nebst der
hier wohl jeweils dazugehörenden Kurzgetränke versuchte er sich
als Tenor und grölte diverse mir unbekannte Lieder. Seine Tischnachbarn
und die der Nebentische bestärkten ihn in seinem Tun und sorgten für
weiteren Getränkenachschub. Als er im Zuge seiner Darbietung noch
auf die Bank kletterte, reichte es dem Wirt. Der Angeheiterte solle von
der Bank klettern und sich zusammenreißen, sonst würde doch
wieder nur das Übliche passieren. Nur einen Moment später wußten
wir was gemeint war. Der Angesprochene wollte seine Aktivitäten wohl
rechtfertigen und begann gestenreich zu lamentieren. Sekunden später
erstickte sein Genuschel in kläglichem Gurgeln und er erbrach sich.
Man kannte ihn offenbar recht gut, denn niemand wurde getroffen. Der Wirt
begann umgehend unter lautstarkem Fluchen mit der Reinigung seines Lokals
während die anderen Gäste das Geschehen amüsiert diskutierten.
Den Gesprächen nach zu urteilen war der Sänger wohl schon mal
besser in Form gewesen. Mir langte es endgültig und ich begab mich
zu meinem mobilen 3 Sterne Hotel. So tief und gut hatte ich schon lange
nicht mehr geschlafen...!
Am Morgen öffnete ich schon mal meine Dächer damit keine
Zeit verloren geht. Auch der Parka erschien schon früh und bereitete
seine Utensilien vor. Wir amüsierten uns noch über den Tenor
und planten dann die Entladung schon mal durch. Meine Position und die
des Kranes hatte der nun auch schon eingetroffene Betriebsleiter bereits
geplant, so daß ich meinen Platz schon einnehmen konnte. Fehlte nur
noch der Kran...!
Es wurde 11 Uhr bis er kam; der Betriebsleiter war jetzt echt sauer,
denn es mußte langsam mal weitergehen. Von meinem Disponenten ganz
zu schweigen; der hatte vermutlich etwas Schaum vor dem Mund als ich ihm
nichts neues berichten konnte.
Aber nun war er da. Ein nagelneuer großer Kran, ein echtes Schmuckstück.
Jetzt konnte es richtig losgehen...- dachten wir. Der Parka zupfte mich
offenen Mundes am Arm und wies in Richtung Kranpilot. "Ich glaube es nicht"
murmelte andächtig nun auch der Betriebsleiter. Fassungslos beobachteten
wir den Kranprofi bei der Lektüre seiner Betriebsanleitung. Er fummelte
hier und da an seinem Gerät herum und las dabei gewissenhaft in seinem
dicken Ordner. "Den habe ich heute morgen erst übernommen" klärte
er uns voller Stolz auf. "Nur die Einweisung hat nicht geklappt weil der
Überführer des Kranes sofort weg mußte." Im gelobten Land
war halt alles möglich! Ein Kranmann der keine Ahnung von diesem hochkomplexen
System hatte, das hatte uns gerade noch gefehlt. So wurde es 13 Uhr bis
der Apparat endlich aufgebaut war. Etwas unbeholfen richtete er den Haken
über meinem Kessel aus. 14 Tonnen sind einen Menge Gewicht an so einem
langen Hebelarm, deshalb muß jede Bewegung gut durchdacht sein. Fehler
sind bei solchen Arbeiten meistens nicht wieder rückgängig zu
machen. Als die Last auf mein Zeichen hin langsam angehoben wurde zeigte
sich auch schon eine derbe Überraschung. Die hydraulischen Stempel
der Kranabstützung verschwanden krachend im Beton und der Kessel rumste
wieder auf meine Ladefläche. Gut daß er erst knapp10 cm hoch
angehoben war! Ich war im großen Bogen vom Anhänger gesprungen
als ich das bersten des Betons hörte. Es stellte sich heraus, daß
unter dem Platz ein großes Gewölbe lag. Niemand hatte davon
gewußt, weil es irgendwann zugeschüttet worden war. Aber die
noch vorhandenen Hohlräume gaben keinen Halt bei der hohen Punktbelastung
und jetzt konnte man hineinsehen, denn die Kavernen unter den Kranstützen
waren recht beachtlich. Wir waren alle bleich im Gesicht, so erschrocken
waren wir. Der Kranmann hatte Gott sei Dank noch langsam nachgelassen als
er merkte was los war. So war die Last nicht vollkommen unkontrolliert
abgegangen. Zitternd kam er von seinem Apparat herunter und besah sich
die Löcher unter den Stützen. "Toll, und jetzt...?" entfuhr es
mir. Alle sahen mich ratlos an und zuckten mit den Schultern. "Hier können
wir jedenfalls nicht weiter abladen. Seht euch mal die Risse im Boden an."
Auch die anderen sahen nun die Risse in den Betonplatten unter uns und
gaben mir recht. Also fuhren wir erst mal die Fahrzeuge vorsichtig auf
sicheren Grund und latschten dann gemeinsam umher um einen neuen und diesmal
sicheren Platz für unsere Arbeit zu finden. Wir einigten uns dann
auf einen Platz hinter einem Schuppen wo wir die beiden großen Fahrzeuge
sicher aufstellen konnten.
Also wieder ein Stellungswechsel und alles bereitgemacht. Der Chronograph
zeigte derweil 14:45 Uhr. Ich ging wieder mal zur Fee und berichtete im
Cowboy - Telegrammstil meinem Disponenten. Der lachte nur hysterisch und
knallte kommentarlos den Hörer auf die Gabel. "Na ja, ich hab` ihn
informiert" sagte ich der Fee. Die sah mich mitleidig an. "Läuft nicht
besonders, oder" fragte sie. "Gar nichts läuft, der Boden tat sich
auf um uns zu verschlingen:" Sie sah mich an als ob ich einen Dachschaden
hätte, deshalb erklärte ich ihr sofort was vorgefallen war. Sie
schüttelte ungläubig den Kopf. "Ihr glaubt bestimmt, daß
wir hier alle total bescheuert sind, oder? Immer wenn aus dem Westen irgend
etwas kommt blamieren wir uns hier bis auf die Knochen." Sie berichtete
wie ihr Chef immer bemüht sei, uns Fahrer aus dem Westen besonders
ordentlich abzufertigen. Aber bisher ging jedes mal alles schief, und diese
Aktion hier sei die absolute Krönung von allen. "Was meinst du wie
peinlich dem Chef das alles ist, aber er kann auch nicht hexen. Hier kämpft
man gegen Windmühlen" erzählte sie. "Laß man" beruhigte
ich, "kommt alles irgendwann ins Lot." Ich klopfte ihr auf die Schulter
und trabte wieder zurück.
Nach kurzer Zeit hatten wir zunächst das Zubehör abgeladen
und an den richtigen Platz gesetzt. Nun kam wieder der Kessel an die Reihe.
Aber dieses mal schwebte er nach einigen Momenten friedlich über meinem
Anhänger. Jetzt mußte er aber sehr weit herausgehoben werden.
Der Kranmann mußte bis an die Lastgrenze gehen um den Kessel an den
richtigen Platz zu setzen. Die Hebelgesetze kann man eben nicht aushebeln.
Egal, endlich war meine Kiste leer. Ich schloß die Dächer und
machte mich startklar. 16:30 Uhr - ich telefonierte also noch mal mit meiner
Firma. Schönheide hatte sich heute für mich erledigt! Verdient
haben wir an dieser Tour durch die Herumsteherei nichts. Was soll`s, es
kommen auch wieder bessere Touren. Ich verabschiedete mich von den Leuten
und brummte (endlich!) wieder los.
Die Umleitungen waren übrigens seit vorgestern auch nicht besser
geworden so daß man wieder irre lange von A nach B unterwegs war.
Die etwa 40 km streckten durch die Umleitungen auf fast 80 km, für
die ich wieder 3 1/2 Stunden brauchte. Erst am nächsten Morgen konnte
ich also laden und in einigermaßen normale Verkehrsverhältnisse
zurückkehren...bis zum nächsten Mal. Es heißt nämlich
heute nach 10 Jahren noch manchmal: "Fahr mal lieber etwas früher
los...!"